Direkter, vernetzter und sozialer – Die Deutsche Olympiamannschaft auf dem Weg nach London 2012

Vom 27. Juli bis 28. August 2012 finden in London die Olympischen Sommerspiele statt. Dadurch rücken Sportler, die eher auf den hinteren Seiten der Sport BILD zu finden sind bzw. bis dato noch kaum mediale Aufmerksamkeit genossen haben in den Fokus der Öffentlichkeit. Sportler, die normalerweise viel zu wenig Beachtung und Aufmerksamkeit finden. Im Zeitalter von “Always on” und des Social Webs geht der Deutsche Olympische Sportbund (DOSB) mit dem deutschen Olympiateam hier neue Wege.

 

Als Klammer für sämtliche Aktivitäten einer langfristig angelegten Kommunikationsinitiative wurden der Claim “Wir für Deutschland” am 24.04.2012 in Düsseldorf vorgestellt. Die Sportler sollen dabei als Botschafter für ihre Personen, Leistungen und ihren Sport stärker in den Vordergrund rücken. Zeitgemäß liegt hier der Fokus der Kommunikation auf digitalen Kanälen. Auf der Webseite www.deutsche-olympiamannschaft.de werden ganz im Sinne von “Wir für Deutschland” die sozialen Inhalte / “Social Feeds” der deutschen Olympia-Athleten via der sozialen Netzwerke Twitter und Facebook aggregiert. Zudem ist die Olympiamannschaft mit einer eigenen Fanpage auf Facebook präsent. Der Hashtag #wirfuerD soll auf Twitter entsprechende Beiträge / Tweets kennzeichnen, auffindbar machen und aggregieren.

Aktionslogo der Kommunikationsoffensive "Wir für Deutschland"

 

 

 

 

 

 

Die Nutzung von sozialen Netzwerken im Rahmen des Sportmarketings hat in angloamerikanischen Ländern bereits einen viel höhere Verbreitung und Bedeutung als in Deutschland. Manchester City zeigt beispielsweise im Fußball, was alles möglich ist und welche Bedeutung die eigene “soziale Stimme” im Web hat. Sportler müssen nicht mehr Journalisten / Gatekeeper überzeugen, sondern können via sozialer Netzwerke, Blogs usw. direkt mit Fans und Interessenten kommunizieren und sogar in Dialog treten. London 2012 sollen “the first social media Olympics” werden, wie Alex Huot, Head of Social Media beim IOC, sagt. Darauf einzahlend hat das IOC bereits einen “Olympic Athletes Hub” gelauncht.

 

Für viele Sportler – egal ob Einzel- und Mannschaftssportler – ist die professionelle Nutzung von Facebook und Twitter noch Neuland. Aber wie heißt es so schön: Social Media has come to stay. Die Chancen sind enorm. So stellt der DOSB den Athleten und Fans als ersten Schritt in diese Richtung bereits im Vorfeld von London 2012 eine entsprechende Architektur zur Verfügung. Hierzu konnte ich mit Jens Behler, der im Produktmanagement bei der DOSB New Media arbeitet und die digitale Dimension von “Wir für Deutschland” im Auftrag der Deutschen Sport-Marketing (DSM) konzipiert hat und steuert, sprechen:

 

Nach dem IOC hat auch der DOSB für die Deutsche Olympiamannschaft einen Social Hub im Internet. Welche Zielsetzung für London und welche langfristige Mission stecken dahinter?

Wir wollen die Deutsche Olympiamannschaft und ihre Athletinnen und Athleten langfristig mehr in den Fokus der Kommunikation rücken, also auch über London hinaus Richtung Sotchi und Rio. Die Webseite ist da ein zentrales Element. Durch die Implementierung des Social Hubs als zentrales Feature auf der Webseite bieten wir Sportlern wie Fans eine ideale Plattform zur Teilhabe an dem Großen und Ganzen, was Olympia ausmacht – und das hautnah.

 

1. Wie viele Athleten sind aktuelle auf dem Social Hub präsent, wie viele davon sind bei Facebook und bei Twitter?

Bis zur Nominierung der Deutschen Olympiamannschaft durch den DOSB (31.5., 25.6., 4.7.) umfasst der Social Hub die Athletinnen und Athleten des DOSB-Olympia-Top-Teams 2012, also zur Zeit 178. Davon haben rund 50 eine Facebookseite und ca. 30 einen Twitteraccount. Zusätzlich integrieren wir aber auch die Social Media Kanäle der Verbände und Nationalmannschaften. Es werden schlussendlich rund 400 deutsche Athleten mit nach London fahren. Daher gehen wir davon aus, dass noch einige Social-Media-Accounts dazukommen. Besonders die Hockeyspielerinnen und Spieler entdecken gerade Twitter für sich.

 

Jens Behler, DOSB, mit Maskottchen Trimmy

 

2. Wie sieht eure Zielsetzung für London mit der Facebook Fanpage aus und welche Erfolgsmessungskriterien legt ihr dieser zu Grunde?

Wir sehen die Facebook-Fanpage in erster Linie als Kommunikationskanal und nicht als Marketingkanal und wollen damit die Deutsche Olympiamannschaft noch mehr ins Zentrum der Kommunikation rücken. Die Athleten machen die Mannschaft aus. Die Erfolgsmessung ist hier eher sekundär.

 

3. Wie sieht die Content Strategy für die Facebook Fanpage aus?

Bis zu den Spielen wollen wir möglichst viel vernetzen und Content nutzen, der durch die Athleten und Verbände bereitgestellt wird. Die Athleten stehen bei uns im Fokus. Wir sehen uns da eher als eine Art Klammer und verbindendes Element. Natürlich werden wir aber auch eigene Inhalte und allgemeine Infos rund um die Spiele teilen, aber vor allem setzen wir auf vorhandenen Content, Verlinkungen und Aggregation. Der Traffic soll an die Athleten und Verbände wieder ausgespielt werden. So bieten wir über eine zentrale Anlaufstation einen Mehrwert für unsere Stakeholder.

 

4. Wie sieht der personelle Aufwand bzgl. der Betreuung und Moderation des Social Hubs sowie der Facebook Fanpage aus?

Das Monitoring des Social Hubs wird schon Ressourcen beanspruchen, aber wie viele wird sich zeigen. Wir müssen jetzt erst mal gucken, wie der Hub angenommen wird. Bis zu den Spielen sollte es sich in Grenzen halten. Während der Spiele rechne ich schon mit mehr. Die Betreuung der Facebook Fanpage läuft bis zu den Spielen eher parallel. Während der Spiele werden sich dann zwei Personen um alle Social Media-Kanäle kümmern, Fanpage inklusive.

 

G+ Hangout mit Jens Behler

 

5. Welche Gefahren siehst Du z.B. in Bezug auf Missbrauch durch Fans, Verletzung von Sponsorenrechten und Athleten-Sicherheit und wie wird diesen begegnet?

Bei den Athleten sehe ich keine großen Gefahren, da diese sich vor allem auf das Sportliche konzentrieren werden. Die Spitzenverbände haben die Verantwortung, die Sportler entsprechend vorzubereiten. Wir unterstützen hier jederzeit. Vom 16. Juli bis zum 15. August gibt es eine “Frozen Period” in der die Athleten jegliche persönliche Sponsoring-Aktivitäten einstellen müssen. So gibt es Athleten, die für Unternehmen ihren Weg zu den Spielen bloggen. Während der Olympischen Spiele dürfen sie weiterbloggen, jedoch nicht für die Unternehmen und auch nicht für Medienhäuser oder Fernsehsender. Mehr Sorgen mache ich mir über Fans, die Werbung auf den Seiten platzieren werden. Hierfür haben wir unser Monitoring. Werbung wird sofort gelöscht werden.

 

6. Inwieweit gibt es neben den Social Media Guidelines des IOC spezielle Guidelines sowie Schulungen des DOSB für London 2012? Wo siehst du hier mögliche Probleme?

Die Guidelines haben wir zum einen ins Deutsche übersetzt und zum anderen haben wir einen entsprechenden Leitfaden erstellt, in dem ganz praktisch erläutert wird, was erlaubt und was verboten ist. Diese Informationen werden an alle Athleten verschickt. Darüber hinaus haben wir die Teilmannschaftsleiter informiert, dass wir gern zu Athleten-Veranstalten kommen, um aufzuklären und zu informieren. Aber das meiste läuft direkt über die Verbände in deren Strukturen, beispielsweise über deren Presseverantwortliche bzw. die Teilmannschaftsleiter.

 

7. Inwieweit werden Athleten-Erlebnisse während London 2012 kuratiert werden, z.B. die der Medailliengewinner aus dem Deutschen Haus?

Wir werden während der Olympischen Spiele unsere Social Media-Base im Deutschen Haus haben und somit auch exklusiven Content aus diesem über unsere Kanäle spielen können. Unser Ziel ist es, via Social Media die Olympiafans in Deutschland mitzunehmen und sie den olympischen Geist aus London spüren zu lassen. Und natürlich stehen da die Athleten im Mittelpunkt

 

8. Welche weiteren Aktivitäten dürfen wir für „Wir für Deutschland“ auf sozialen Kanälen für London 2012 erwarten, gerade auch hinsichtlich Foto- und Video-Sharing?

Der Social Media Hub bleibt unser zentrales Tool im Social Web. Er ist getreu dem Claim „Wir für Deutschland“ das verbindende Element zwischen Athleten, Verbänden, Fans, Partnern und DOSB. So stellen wir den Stream als Facebook-App auch den Sportlern und Verbänden für ihre Facebook-Seiten zur Verfügung. Zusätzlich können sich die Athleten und Verbände den Stream auch per Widget auf ihrer Webseite einbinden. Auf Twitter wollen wir die Kommunikation zwischen Sportlern und Fans mit dem Hashtag #WirfuerD zusammenbringen. Foto- und Videocontent wird es aus London natürlich auch geben, grundsätzlich sind hier jedoch relativ enge Grenzen gesetzt.

Herzlichen Dank für Deine Auskünfte und Einblicke, Jens! Games Must Go On!

[Disclaimer: Ich kenne Jens durch gemeinsame Projekte im Rahmen seiner Tätigkeit bei der Bewerbungsgesellschaft München 2018 persönlich und verfolge die ersten Schritte der Deutschen Olympiamannschaft im Social Web sehr wohlwollend]

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