FASPO Sponsoring Summit 2012 – Social Media Special

Der nachfolgende Blogpost vom FASPO Sponsoring Summit 2012 stammt von Franz Schäfer, Sportmanagement-Student im 6. Semester in Salzgitter und engagierter #digisport- und #sportsbiz-Twitterer, den ich auf dem Barcamp München kennenlernen durfte. Vielen herzlichen Dank für den spannenden Bericht und deine Gedanken, Franz!   

 

Am Donnerstag den 22.03.2012 fand der Sponsoring Summit 2012 in der Handelskammer Hamburg statt. Organisiert wird dieses Event von der FASPO, dem Fachverband für Sponsoring & Sonderwerbeformen, welche eine sehr große Anzahl von bekannten Firmen, Agenturen und Vermarkter als Mitglieder zählen kann. Der 1996 gegründete Verband gestaltet verantwortlich die Rahmenbedingungen für die Sponsoringwirtschaft im deutschsprachigen Raum. Soweit erst mal die Informationen zum Veranstalter des Summits.

Mein Interesse war besonders auf den Vortrag von Raphael Brinkert, dem Geschäftsführer der Agentur Jung von Matt und mögliche Beispiele/Best Cases zum Einsatz von Sponsoring im Web 2.0. Spannend, finde ich persönlich, die Verknüpfung des Web 2.0 mit anderen (kreativen) Sponsoringmaßnahmen. Schauen wir mal, wie weit die Vertreter der deutschen Branche in diesem Bereich sind.

Die Ansprache des Präsidenten der FASPO, Oliver Kaiser, zur Eröffnung des Summits war sehr vielversprechend. Er betonte die wachsende Bedeutung der sozialen Medien. Natürlich auch im Sponsoring  Bereich, geht es z.B. um die Aktivierung eines Sponsoringengagements. „Leidenschaft teilen Menschen durch soziale Medien“, das machte er am Beispiel des 46. Super Bowls fest, an denen bis zu 10.000 Tweets pro Sekunde abgesendet wurden. „Man liest einen Tweet und hat schon 40.000 weitere verpasst“, so Kaiser. Auch verwies er auf die Studie „Sponsor Visions 2012“ die gleich vorgestellt werden sollte, in der die Top-Entscheider der Branche ihre zukünftigen Einschätzungen zum Thema Sponsoring vornahmen und Social Media wohl eine entscheidende Rolle spielen wird.

Sponsor Visions 2012 – “Trends und Entwicklungen im Deutschen Sponsoringmarkt”

„Social Media ist für die Vernetzung von Sponsoring mittlerweile relevanter als TV und Print“. Das ist eine der Aussagen, aus den „Sponsor Visions 2012“, durchgeführt und präsentiert von Vertretern des Instituts IFM Sports. Auch die Frage, in welchen Bereichen des Medien-Sponsorings die Top-Entscheider im Kalenderjahr 2012 tätig sein werden, wurde relativ klar mit Internet-Sponsoring beantwortet und nimmt damit den führenden Rang ein.

Internet hat in punkto Relevanz für Sonderwerbeformen TV vom Spitzenrang verdrängt.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

So spiegelt sich laut IFM Sports das veränderte Mediennutzungsverhalten im digitalen Zeitalter, besonders im Bereich des Medien-Sponsoring wieder. Soweit zum Jahr 2012, doch was erwartet uns in acht Jahren? Das haben die Top-Entscheider versucht in den „Visionen Sponsoring 2020“ darzustellen.

In den 20 aufgestellten Thesen der FASPO-Mitglieder sollen Trends und Perspektiven im Sponsoring abgebildet werden. So wurden neben den Investitionen der deutschen Wirtschaft in Sponsoring im Jahre 2020 von prognostizierten 7,5 Milliarden Euro (Prognose 2012: 4,4 Milliarden), auch der mögliche Stand von Social Media & Sponsoring dargestellt.

These 16: „Social Media ist selbstverständlicher Bestandteil integrierter Sponsoring-Maßnahmen. Fans unterstützen Einzelsportler über Sponsoren-Communities.“

Leider wurde auf diese These nicht weiter eingegangen, denn besonders der Begriff der Sponsoren-Communities ist mir noch nicht ganz so geläufig und ich bin gespannt, wie dieser sich, hoffentlich positiv für Einzelsportler, in Zukunft auswirken wird.

Zum Abschluss der Präsentation wurden die spontanen Nennungen, wie denn Sponsoring im Jahre 2020 aussieht, versucht zu visualisieren und diese Folie möchte ich euch natürlich nicht vorenthalten:

Social Media und innovative Sponsoringformen werden gewinnen – klassisches Sponsoring verliert.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Das effizienteste Sponsoringtool der Welt: Kreativität

“Die Kraft von Ideen im Zeitalter der Mediendemokratie”

Mit diesem Thema beschäftigte sich Raphael Brinkert (Managing Director Jung von Matt) und brachte in ca. 30 Minuten Thesen und Beispiele seiner eigenen Arbeit dem Fachpublikum näher.

Zum Einstieg gab er gleich eine Prognose zur neuen Plattform des FC Bayern ab, in der er myfcb keine lange Zukunft gibt. Er glaube nicht, dass die Plattform länger als eine Saison existieren wird, so Brinkert. Ein Thema, das aber im Laufe des Summits öfters noch erwähnt wurde und wohl in der Branche genau beobachtet wird.

Doch was genau braucht es, damit man in im Zeitalter der Mediendemokratie erfolgreich ist?

Sieben Regeln, die Raphael Brinkert auf dem FASPO Sponsoring Summit 2012 vorstellte:

  1. Lerne deine Marke loszulassen und akzeptiere, dass sie mitgestaltet wird.
  2. Sei ein Ermöglicher: Biete Nutzen und Spaß.
  3. Schaffe es, dass Menschen freiwillig über dich sprechen.
  4. Erzähle überraschende Geschichten über dich. Sei dabei echt, mutig und inspirierend.
  5. Manage die Unterhaltung im Netz über deine Marke aktiv, aber zurückhaltend.
  6. Habe eine flexible und vielseitige Markenpräsenz.
  7. Stelle die Marke auf situative Vielfalt ein und gewöhne dich daran, schnell zu reagieren.

Schauen wir uns die Beispiele an, die Raphael Brinkert dem Fachpublikum vorstellte:

#1 ein Bundesligist

Raphael Brinkert war einer der Gründer der Schalke Fan-Page auf Facebook, bevor diese im letzten Jahr für eine Spende von „50.000€“ an den Verein übergeben wurde. Diese wuchs innerhalb eines Jahres auf knapp 325.000 Fans mit über 275 Millionen Interaktionen an und war eine Plattform, in der Brinkert u.a. bewusst versucht hatte in die Medien zu kommen bzw. Medien in ihrer Themenwahl zu beeinflussen. Reagieren Print- und Onlinemedien auf Aktionen die auf einer Facebook Fanpage passieren?

Sie tun es, beachtet man die oben aufgestellten Regeln. So griff die Fanpage vor allem den bevorstehenden Wechsel von Manuel Neuer zu den Bayern auf.

Aktionen wie eine Online-Petition gegen den Wechsel Neuers: Diese fand nicht auf der Facebookseite direkt, sondern auf einer 3. Seite statt, bei der über 30.000 Unterschriften samt Adressen der Schalke-Fans gesammelt werden konnten. Ein bewusster Versuch, ob es gelingt Leute von der Facebookseite zu einer thematisch passenden Seite zu leiten, auf der diese ihre Adressen hinterlegen müssen.

Auch der von Bayern-Fans auferlegte und viel kritisierte Verhaltenskodex für Manuel Neuer, wurde von der Schalker Facebook Fanpage aufgegriffen und landete nur Stunden später auf verschiedenen Nachrichtenseiten, wie Spiegel Online, Bild.de & Sport1.de.

 #2 ein Bezirksligist

Brinkert stellte auch kurz die Kampagne für seinen Heimatverein TUS Haltern vor, aus der vier aktuelle Bundesliga Profis stammen.

Tu’s, Haltern.

Eine Kampagne die den 2. Platz des Marketingpreis des Sports 2010 erhielt. In dieser wurden die Spieler des Bezirksligisten fotografiert, wie es sonst nur Stars in Kampagnen von Nike oder Adidas tun.

Motiv der gelungenen Kampagne „Tu’s, Haltern“, einem Bezirksligisten.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Auch die Facebookseite des Vereins macht auf mich einen sehr guten Eindruck und kann durchaus als Beispiel für unterklassige Vereine dienen.

#3 ein Sportler

„Die viralste Sportpersönlichkeit in Deutschland“: Hans Sarpei.

„Ein Charakter mit Ecken, Kanten und einer gehörigen Portion Selbstironie. Jemand der sich selbst auf die Schippe nehmen kann. Jemand der andere auf die Schippe nimmt. Ein kölscher Jung.“

Für mich der spannendste Teil des gesamten Tages, denn Brinkert gibt Insights zur Erfolgsstory von Hans Sarpei im Netz.

So trat Hans Sarpei mit der Bitte um Hilfe, an Raphael Brinkert heran, der ihn medientechnisch unterstützen könnte. Sarpei war/ist bewusst, dass seine Fußball-Karriere mit 35 Jahren langsam zu Ende geht und suchte zu dem Zeitpunkt nach Alternativen. Der Beginn des Netz-Phänomens Hans Sarpei.

Den Ursprung machte Brinkert in der Themenwoche des Schalke Blogs Web04.de aus, die sich eine Woche lang rund um die Person Hans Sarpei drehte. Er sprach von den unterstützenden „Möglichkeiten welche die Blogosphäre“ für Spieler haben und was Sie Spielern oder auch Vereinen Gutes tun können. Aus dieser Themenwoche heraus, wurden die ersten Hans Sarpei Facebook-Gruppen gegründet, die mittlerweile bis zu 60.000 – 70.000 Mitglieder haben.

Doch was ist der entscheidende Punkt den Hans Sarpei von Anfang an richtig gemacht hat?

Laut Brinkert ist es die komplette Aufnahme und die komplette mediale Bespielung der viralen Welle, gestartet aus der Blogosphäre, die den Erfolg ausmacht. Er gab Interviews, ging in die Interaktion mit den Fans und antwortete Ihnen auf seiner Facebookseite. Er stand also im ständigen Dialog mit seinen Fans, wie z.B. in diesem Video, welches Brinkert den Teilnehmern zeigte:

Macht hat, wer Reichweite hat. Der Spannungsbogen des Hans Sarpei-Hypes:

Zusammenfassung des Hans Sarpei-Hypes in einer Grafik.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Gerne erwähne ich an dieser Stelle, dass auch Brinkert den Blogbeitrag „Was Marken von Hans Sarpei lernen können“ dem Fachpublikum vorstellte und auch nochmals die Relevanz der Blogosphäre deutlich machte.

 

Die SHARP Fan-Labs – Der Versuch eines integrierten Sponsorings mit Internet & Social Media?

Diese Frage könnte das EM2012-Sponsoring von SHARP beantworten, denn dieses befindet sich momentan in der Aktivierungsphase. Mit den SHARP Fan Labs möchte der Elektronikhersteller das europaweit größte Fan-Forschungsprojekt mit und über Fußballfans auf die Beine stellen. Es werden Daten aus Verhaltensweisen und Stimmungen von Fans aus ganz Europa gesammelt. Via Apps, Facebook-Pages, In-Store und einem mobile Fan-Lab werden diese Daten vor und während der EM generiert und anschließend analysiert.

Näher erläutert wird es in diesem Video von SHARP, welches auch auf dem Sponsoring Summit 2012 gezeigt wurde:

Die Ergebnisse dieser Analysen sollen für Werbemaßnahmen des Sponsors genutzt, sowie mit in die Produktentwicklung fließen.

Der Aufbau der Kampagne aus Sicht von SHARP.

 

 

 

 

 

 

 

 

Den Ansatz einer solchen Sponsoringaktivierung finde ich sehr spannend, da er auf den Säulen Emotion und Einzigartigkeit aufgebaut ist. Ob es der durchführenden Agentur, trotz eines geringen Budgets gelingt, dieses Konzept wirkungsvoll umzusetzen und aussagekräftige Ergebnisse zu generieren, werden wir spätestens nach der EM 2012 erfahren.

Abschließend kann man sagen, dass Social Media in den Sponsoring Maßnahmen laut den Studien, Meinungen der Top-Entscheider und auch in den, im Blogartikeln nicht thematisierten, Diskussionsrunden einen entscheidenden und immer größer werdenden Stellenwert einnimmt.

Was ich trotzdem alledem ein wenig vermisst habe, ist nicht nur die Erkenntnis darüber, sondern auch schon moderne Konzepte in der Hinterhand zu haben. In dieser Hinsicht wurde ich, was deutsche Beispiele angeht, ein wenig enttäuscht, so konnte selbst Herr Brinkert mir keine guten Beispiele nennen, aus dem Grund, dass keine existieren. Hier ist für das Summit im nächsten Jahr noch Nachholbedarf und mit der EURO2012 und den Olympischen Spielen auch Gelegenheit genug, die Innovationslust der Branche zu beweisen.

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