Manchester City und die Macht der Online-Videos

Wenn es um digitales Fan-Engagement und Social Media geht, ist  der englische Premier League-Klub und Meister Manchester City absolute Spitzenklasse, wenn nicht sogar Titelträger der Champions League. Sportlich lief es für die “Citizens” in dieser Saison dort leider sehr schlecht: In der “Todesgruppe” (mit  Borussia Dortmund, Real Madrid und Ajax Amsterdam vier Landesmeister!) wurde City mit mageren drei Punkten (drei Unentschieden) Tabellenletzter und verabschiedet sich somit in der Rückrunde vom internationalen Rasen.

Auf internationalem digitalen Parket zeigen die Engländer jedoch immer wieder traumhafte Spielzüge und spielen erfolgreich den Doppelpass mit ihren Fans. Im März 2012 hatte ich die Gelegenheit mit Richard Ayers, dem damaligen “Digital Playmaker” und Impulsgebers des Vereins, in einem Google+ Hangout über die Positionierung und die entsprechende digitale Strategie zu sprechen.

“We don’t think of ourselves as a football club… We are a global entertainment brand.” Richard Ayers, ehemaliger “Digital Playmaker” bei Manchester City

Besonders im Bereich Video sind die Briten fantastisch aufgestellt und überzeugen immer wieder mit kreativen Angriffszügen auf bestehende und neue potenzielle Fans: Manchester City schloss beispielsweise als erster Premier League-Verein eine Kooperation mit YouTube, live-streamte ein Training auf Facebook, erfand die Tunnel-Cam  (aktuelles Beispiel: Manchester City vs. Manchester United) und veranstaltete Twitter-Interviews mit Spielern, sogar bereits kurz nach dem Spiel. Der Video-Output überzeugt vor allem durch einen sehr starken “Access” zum Team (wohl kaum ein anderer Verein scheint näher dran zu sein, Bundesliga-Vereine scheuen diese Nähe oftmals noch).

Auch deshalb aktuell besonders stark: der Video-Adventskalender verzaubert jeden Tag mit einem neuen Tor. Hier zu sehen sind z.B. Manchester City-Kicker, wie sie Weihnachtslieder vorlesen, von ihren Weihnachtserinnerungen erzählen, Weihnachtsgrüße in den Heimatsprachen der Spieler  sowie spannende Tipps für die Weihnachtszeit zum Besten geben (Besonders sehenswert: hinter Tor 9 zeigt der Argentinier Carlos Tevez dem Italiener Mario Balotelli, wie man Geschenke einpackt). Die Videos spielen auf einem starken humoristischen Behind-the-Scenes-Ansatz, der Infotainment geschickt mit Entertainment kombiniert.

Vor kurzem bin ich bzgl. der Online-Video-Strategie von Manchester City auf dieses spannende Interview mit Russel Stopford, Head of Digital bei Manchester City, über die digitale Strategie sowie die Macht der Video-Aktivitäten des Vereins, gestoßen.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

(Russel Stopford - Manchester City & The Pwoer of Online Video @ meetheboss.tv)

 

Stopford zeigt am Beispiel des Jubels von Fans im Stadion, gefilmt aus  Fan-Sicht nach einem Tor durch Sergio, welche Emotionen Videos transportieren können. Diese emotionale Transportleistung einer Story bzw. eines Ereignisses können auf diesem Level seiner Meinung nach nur Videos leisten. Videos sind für ihn der wichtigste Teil einer digitalen interaktiven Multikanal-Strategie. Zudem sei es wichtig, auf so vielen Plattformen, App Stores  und Kanälen wie möglich zu sein, um dort eine maximale Fan-Anzahl auf der ganzen Welt mit “Vereins-Media” zu erreichen.

Zudem sollen bestehende treue Fans mit  Videoinhalten, die sich durch besondere Vereins-Nähe auszeichnen, begeistert und entsprechende Beziehungen vertieft werden. Als Unterscheidungsmerkmal zu anderen Klubs hebt er hier die Ebenen des Engagement und des Access hervor. In punkto Video-Auslieferung auf den verschiedenen Kanälen und Endgeräten auf der ganzen Welt arbeitet Manchester City mit Brightcove und YouTube zusammen.

Die zukünftigen Schlüssel zum Erfolg sind für ihn wenig überraschend Social und Mobile. Hier sei aktuell nur die Kreativität das Limit. Technische Hürden gebe es kaum noch. Dies kommt dem Klub besonders entgegen, da Innovationen der Kern der Strategie sind. Sehr reizvoll für Manchester City finde er den “Extra Layer of Connectivity” via Second-Screen-Applikationen. Hier wird der von einem Scheich finanzierte Klub wohl auch bald neue Maßstäbe im Sportbusiness setzen.

Ich bin gespannt, welche weiteren Wege Man City digital, insbesondere im Bereich Video, noch gehen wird. Vorerst kann man hier nur sagen: Chapeau und weiter so! Und für die Bundesliga heißt es: bitte genau beobachten und auf der Grundlage der eigenen Vereins-DNA nachmachen!

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